Alles in letzter Minute

Entschuldigt bitte, dass wir uns so lange nicht gemeldet haben bzw. geschrieben haben. Viel ist passiert, dabei viel Unschönes bezüglich des Bootes und dann mag man im Frust nicht schreiben. Andererseits war auch viel los, so dass Konzentration für einen Bericht nicht vorhanden war - genauso wenig wie Lust.
Wenn man unterwegs ist oder mal nichts zu tun hat, ist das ein sehr großer Schweinehund, der da in uns lebt :-)

Also hier nun unser Bericht der Monate Mai und Juni:

Da lebten wir nun extra für zwei Monate in einer Wohnung mit Blick auf's Meer und direktem Zugang zum Strand, um den Mechanikern Raum und Platz zu schaffen, den Motor zu reparieren bzw. das Rattern zu beseitigen- aber viel genützt hat es leider nicht.

Leider unscharf, aber man kann erkennen, worum es geht.

Salzwasser im Kühler



Auch die Ankerwinsch war zu untersuchen, warum da überhaupt nichts mehr ging, obwohl wir neue Batterien angesteckt hatten, den richtigen Kabeldurchmesser für 24 Volt und sonst alles ok war.


Gleichzeitig hatten wir Anfang Mai einen Edelstahlhandwerker zum Ausmessen an Bord, der für uns einen neuen Targabogen konstruieren und schweißen sollte.

Auch ein neues Kutterstakrigg mit Rollfock sollte hinzukommen, inklusive annähen eines UV-Schutzes für das vorhandene Segel. Mike von Kempsails, war auch schon vorher mal an Bord und hatte mit einem Kollegen alles ausgemessen.


Die Herren Fachleute


Das alles sollte nun innerhalb dieser zwei Monate erledigt werden....tja, da haben wir die Rechnung ohne die Portugiesen gemacht....obwohl, eigentlich waren es alles ausländische Firmen. Denn die Motormechaniker waren ein Neuseeländer (Rhum), und mehrere Briten (Malcolm, Jim, und doch ein Portugiese namens Valdemar), der Stahlmensch, ein Russe (Oleg) arbeitete allerdings bei einer portugiesischen Firma. Aber irgendwie ging da nichts voran. Nur bei Mike, dem Segelmacher klappte alles.

Sieben lange Wochen geschah - trotz ständiger Anrufe, trotz ständiger Besuche und Absprachen und Versprechen - morgen, Donnerstag ganz bestimmt, nächste Woche! -  nichts. Das Terminmanagement der beauftragten Firmen klagte über viele, ja zuviele kurzfristige Aufträge. Die Motorbooteigner (!!!), die jetzt und ganz schnell, am besten morgen ihr Motorboot gewartet und seetauglich gemacht haben wollen, die anderen, weil sie einen Großauftrag eines Hotels bekommen haben und 100 Balkonstahlgerüste schweißen mussten.

Tja, und da sind dann ja so arme Wandersegler, die zwar laaaange im voraus einen Termin gemacht haben, sich zwei Wochen vorher nochmals angemeldet haben mit diversen Motorproblemen, einfach nicht mehr wichtig genug gewesen und wir rutschten tagtäglich auf deren To-Do-Liste nach hinten. Da ist mir in einer schwachen Minute der Kragen geplatzt und habe einem Mechaniker u.a. erzählt, dass die im Büro nicht mal in der Lage sind, einen Preis für eine neue Ankerwinsch herausfinden können und dafür auch noch 14 Tage brauchten (wir brauchen eine 24Volt-fähige für eine 10mm-Kette und die hatten eine 12Volt für eine 8mm-Kette rausgesucht)....da ist auch dem Mechaniker die Hutschnur hochgegangen....der hat kurzerhand die betreffenden Mechaniker zusammengetrommelt und die haben dann, über den Kopf des Managements hinweg, entschieden, dass wir nun endlich dran sind und der Motor bearbeitet werden soll.

Und dann haben die aber losgelegt - wow....fast ohne Mittagspause fünf Tage durchgearbeitet. Der Motor wurde dann komplett rausgehoben, auseinandergenommen, gereinigt - es hatte sich Salzwasser durch das neue Kühlersystem eingefressen - alles durchgepustet, neu lackiert - von Grashüpfergrün in McLarensilber - und mit neuen Gummidämpfern und angefertigter Welle, denn die war tatsächlich leicht verbogen/"unwuchtig", zurück an seinen alten Platz gehieft. So konnte die alte Lady wieder angeschlossen werden.

Dabei stellte man fest, dass die gesamte Kabelverlegung ein Desaster sei....alles offen, nahe an einem Kurzschluss der feinsten Sorte. Der nächste finanzieller Dämpfer und ein weiterer Punkt auf unserer To-Do-Liste. Die Ankerwinsch hatte Kosta dann selbst bestellt, aber auch da gab es Probleme - nicht auf Lager, Lieferung dauert. Nun gut, wir sind ja vier Wochen weg, in der Zwischenzeit kann sie kommen. Die alte Ankerwinsch, so stellte sich heraus, war total und völlig von Salzwasser korrodiert. Das Sikaflex drumherum war spröde und porös und ließ bei jedem Seegang alles schön langsam durchsickern. Eine Reinigung war nicht mehr möglich. (Ich bin mir 1000%ig sicher, dass ich ein Photo von dem alten Ding gemacht hatte, finde es aber nicht mehr - sorry - hab's gefunden!!!! :-) )






Damit ging es dann weiter zum nächsten Spezialisten.
Vasili (Rumäne - Ausbildung in Vilamoura bei einer deutschen Firma, jetzt selbstständig, spricht gut englisch und war verliebt in unseren Teddy. Teddy allerdings weniger in den Fremden mit denm gelben T-Shirt) kam ins Spiel. Der schleift, poliert und lackiert alle möglichen Oberflächen an Booten. So auch Teakdecks. Der schaute sich das Ganze an und meinte, dass es für ihn zu speziell und zuviel sei, denn eigentlich müsste man das ganze Teakdeck neu machen. Also auch die schwarzen Sikaflexrillen erneuern. Da kennt er aber einen noch besseren Spezialisten, den Jamie, der ist der Beste und hat auch den Exklusivimport für Teakholz in Portugal.....uih, das wird teuer - dritter Dämpfer!

Der kam, sah und schwieg....nein, das tat er nicht, sondern erklärte, dass das Holz stellenweise zwar für seine 15 Jahre noch super aussehen würde (obwohl die Vorbesitzer das Deck wohl auch immer mit einem Hochdruckreiniger gereinigt hatten! Aaaaaaarg!!!), aber leider die Spanplatten drunter zu oft nass geworden seien und somit eine stellenweise Ausbesserung auf Dauer nicht wirklich empfehlenswert sei. Da wir keine Freunde von langzeitgen Flickereien sind, kommt so für uns nur die komplette Erneuerung in Frage.

Auch da käme natürlich das Zauberwort "Do-it-yourself" ins Spiel, aber ca. 25qm Fläche (und die ist glat und gleichseitig, sondern mit Ecken, Kanten und Bögen) von Gummirillen befreien neu ausschaben, die Holzlatten abnehmen, neue Spanplatten draufkleben, alle Planken wieder neu draufschrauben und die Zwischenräume wieder neu mit schmierigem, klebrigem Sikaflex verfugen??? Wir, die Amateure schlechthin? Ach nöööööööööö, lassen wir das gescheit machen, von einem Fachmann; der hat die Geräte, das Wissen, die Erfahrung und er hat es in einem Monat fertig, wo wir mindestens drei brauchen würden...und wer weiß, wie das Wetter im Winter ist.....da muss es schnell gehen, vielleicht....ja, ich weiß, Jammern auf höchstem Niveau....aber wir hatten auch gedacht und gehofft, dass das Teakdeck noch ein paar Jährchen länger hält und dieser Krug noch einmal an uns vorbei geht...tja, falsch gedacht....

Aber das ist ja noch nicht alles....innen geht der Rundgang mit James weiter....und unser Konto wird immer roter.....aber DAS sind jetzt wirklich aufschiebbare Projekte, nichts Dringendes.

Eine Baustelle allerdings hat ausnahmsweise mal gut geklappt. Das ist die Arbeit vom Mike von Kempsails. Der arbeitet auch mit James, dem Rigger - nicht zu verwechseln mit Jack, the Ripper; ganz anderes Handwerk - zusammen. Ein Kutterstag mit Rollfok.  Ein zweites, kleineres Vorsegel zum Auf- und Zurollen und die Leinen nach hinten verlegt, so dass wir vom Cockpit aus arbeiten können. Immerhin!

Also Stand Ende Juni nach acht Wochen und kurz vor unserer Abreise in den "Urlaub":

-- Motor ausgebaut, gereinigt, neu lackiert, alte Teile ausgewechselt - Welle neu - hydraulische
    Backenbremse für die Propellerwelle angefertigt und eingebaut - Motorbilge gereinigt und neu
    lackiert -
    Testlauf steht an, machen wir, wenn wir zurück sind und im Wasser liegen.

-- Ankerwinsch ausgebaut - keine Reinigung möglich - neue bestellt - Lieferung dauert

-- Rigg - "Rollkuttersegel" fertig - Segel bekommt noch UV-Schutz angenäht - Furlinglines fehlen noch

-- Targabogen - abgemessen - in Arbeit, sollte am Donnerstag vor unserer Abfahrt geliefert werden -
    nicht passiert - dann kam er am Dienstag, ach nein, doch erst Mittwoch, als wir schon unterwegs
    waren. Es sollten Freunde aufpassen, dass er das richtig anmontiert. Aber dann haben wir gedacht,
    wenn da was nicht passt, stimmt oder irgendwas ist und wir sind nicht dabei....lassen wir das Ganze.
    Die haben den Bogen dann in der Werkstatt gelassen und gewartet, bis wir wieder zurück sind.

-- Das Teakdeck blieb wie es war. Wir hatten am Deckshaus probehalber eine Sikaflexleiste
    rausgefummelt und neu eingefüllt. Was eine Sauerei. Und als Sahnehäubchen ist dann Teddy noch
    schön durchgelatscht und weiter auf dem Deck verteilt - Mann, hab ich SCH**** geschrien!

Das waren insgesamt einfach zuviele Dämpfer und "nichts-klappt"-Momente. Das Geld fließt nur so durch die Bootsritzen und wir sitzen immer noch hier fest und kommen nicht weiter.

Wie machen das denn die anderen Segler? Sind die nicht so pingelig? Machen die einfach weiter, bis sie kurz vorm Absaufen sind? Haben die einfach mehr Geld auf der Kante? Sind das alles gelernte Allround-Handwerker oder ist dies das normale Seglerleben? Ist da ständig was zu machen? Aber wir wollen doch nur segeln, mit wenig Zeug, mit wenig Anspruch - außer, dass unser Boot mal endlich funktioniert.....oder haben wir da echt die Katze im Sack gekauft und uns ordentlich an der Nase herumführen lassen? Der Verkäufer hat sich übrigens eine schöne Villa auf Palma gekauft....und lacht sich wahrscheinlich eins ins Fäustchen, dass er die Gurke endlich los ist.

ABER - trotzdem liebe ich die IKOKO, ich liebe das Knarzen der Planken, unsere Sitzecke im Salon, unsere gefühlten 40 über das ganze Boot verteilte Kissen, alle möglichen Liegeflächen, der salzige Wind um unsere schniefigen Nasen, den Wind in den salzverklebten Haaren, das schnurrige Schnaufen des dicken Motors, das Klappern der Reffleinen beim Segelsetzen oder Einholen, das sanfte Wiegen beim moderaten Seegang, den Luxus einer Ansaugklopumpe bei gröberem Seegang und flauerem Magen, das Schwanken des Gasherds bei jeder Welle vorbeirasender Motorbootheizer - jaaaa, das ist die Seglerromantik, die man sich vorstellt, nicht wahr? :-)

Nein, im Ernst, ich liebe es hier wirklich auf dem Boot, die Freiheit, überall hinsegeln zu können, wo man möchte (gut, durch Hund und diversen Problemen geht das nicht immer und nicht überallhin, aber trotzdem, Ihr versteht, was ich meine.) Die Weite des Meeres, manchmal vertrauenserweckend ruhig und dann wieder erschreckend und beängstigend gewaltig. Die Gestirne in ihrem täglichen Lauf beobachten, die Wolken und natürlich der Wind. Auch der mal sanft, das Boot wiegend, dann böig und im nächsten Augenblick ein Sturm, oft ohne Warnung. Ist das nicht wie im Leben auch?

Ja, segeln und das Leben haben doch sehr viel gemeinsam stelle ich immer wieder fest.

Und weil ich mein Boot so sehr liebe, habe ich mich Kosta angeschlossen und auch ein paar Arbeiten am Boot getätigt:


So sah das Unterschiff nach fast einem Jahr im Wasser aus.


Mein schöner hochglanzpolierter Propeller :-(


Für fast ein Jahr im Wasser sieht die Opferanode noch ganz gut aus.


An dieser Stelle stand der Poller als wir in Holland an Land standen.




Ein paar Roststellen haben wir auch unsere ganze Liebe und Rostfarbe geschenkt.


Nach dem Unterschiff ausbessern kam dann der Lack vom Oberschiff dran, bzw. ein paar auszubessernde Stellen. Was bei dunkelblauem Lack zwangsläufig zur Frustration führt und nie wirklich zufriedenstellend ausfällt, wenn man nicht gleich den ganzen Rumpf neu macht. Da hat uns Vasili auch gleich einen weißen Rumpf empfholen. Tse....Männer....


Ja, die Stimmung war nicht immer so rosig wie das T-Shirt....besonders, wenn frau unterm Kiel die Antirostfarbe rumrollern darf....


Auch die Nut zwischen Deckshaus und Teakdeck benötigte dringend eine Ausbesserung.
Eine sehr dicke Nut, die uns das Fürchten vor weiteren DIY-Projekten gelehrt hat. (Teddy ist dann durch das frisch gespritzte Sikaflex getappt....Mann, dieser Hund!!

Und hier einer der ersten Teakdeckklammern, die sich langsam durch das Holz arbeiten....kann sehr schmerzhaft werden, wenn man nicht aufpasst und barfuß über's Deck stolzert.... :-) Ein weiterer Grund, sich dem Teakdeck bald anzunehmen.

Aber nun zu ein paar netteren und erfreulicheren Dingen:

Zum Beispiel unsere Wohnung:


Unser Ausblick vom Wohnungsbalkon

Oder ein Ausflug nach Lissabon:


Zwischendurch kam eine liebe Freundin, Siggi, mit Ihrem Bötchen in Lissabon vorbei. Da mussten wir natürlich hin, um uns nach langer Zeit mal wieder zu sehen und um zu quatschen.


Das geht am Besten bei einem guten Essen.


Ja, endlich mal alle drei zusammen auf einem Photo.


Die Zeit verrinnt, Siggi muss zurück. Ein etwas größeres Exemplar, als unsere Ikoko, wie sich herausstellt :-)


Es ist die AIDA mar .
Oder Ablenkung durch ein paar private Festivitäten:


Und als Siggi weg war, ging es gleich weiter mit der Schmauserei...




Die Geburtstagsfeier von drei älteren Herren, ab 80 aufwärts, im Garten unserer Vermieter.



Man kocht und backt selbstverständlich selber und frisch.



Und auch der Kräutertee wird aus Grünzeug aus dem Garten zubereitet. Wir mussten jedes Mal dreimal die Nase in das Büschel reinhalten und den Duft einsaugen, erst dann hat Pedro sie in die Küche getragen und heißes Wasser in eine marrokkanische Silberkanne gegossen. 




Teddy hat mit Haushund Diana eine echte Freundin zum Rumbalgen und Toben gefunden.


Oktopussuppe.....mei, wer's mag....soll gut geschmeckt haben, sagt Kosta....


Polentasuppe "Pappas(ch) - diiieeee ist wirklich lecker! Besonders aus diesem Tontopf!
Und noch eine Party:


Und weil wir so nett sind, waren wir dann auf einer 40. Geburtstagsfeier der Gattin unsere Tierheimtierarztes eingeladen.





Auch hier alles selber gemacht und üppig aufgetragen auf dem Geände der hauseigenen Farm.


Da darf Gartenbumendekoration nicht fehlen.


Und der obligatorische Hibiskus in voller Pracht genauso wenig.


Die Kinder langweilten sich am Abend und dekorierten einen Brunnen mit reichlich Orangen - na woher? Aus der eigenen Orangenplantage natürlich.


Für nächtliches "Ambient Light" ist auch gesorgt.


Wir haben auch sonst noch ein wenig entspannt, neben all der anstrengenden Arbeiten an Bord.


Ein Erholungsspaziergang auf dem Gelände der Marina im gesamten Hotel- und Restaurantkomplex von Portimao.


Ein Ausflug ins gegenüber liegende Ferragudo führt uns erstmal zum kleinen Fischerhafen mit zwei sehr exentrischen Fischerbrüdern....


Mi amor!!!


Blick durch die Feuerwehrhausbaustelle rüber nach Portimao.


Malerische Gässchen durch Ferragudo.


Ja, hier kann man sich noch gegenübersetzen und ein Pläuschchen halten.


Keine Gasse ist zu eng für ein Auto.


Sehr einladend, nicht wahr?


Könnte auch ein italiensiches Bergdörfchen sein, oder?


Es gibt viele interessante und außergewöhnliche Immobilienangebote (s. rechts unten).


Tja, stimmt schon: "Wie der Herr, so sein Gscherr"



So, das war jetzt sehr viel Erzähltes; dafür werden die nächsten Kapitel kürzer und mit nur einem Thema bzw. einer Stadt.

Wir sind nämlich am 28. Juni mit einem gemieteten Auto gen Gardasee aufgebrochen und durch fünf europäische Länder gefahren. DAS war interessant, spannend und schön.

Erste Station Córdoba.


Eine schöne Zeit wünsch ich und verspreche wieder schneller zu schreiben. Pfadfinderehrenwort.

Eure stefanie.

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