
Mein
Richard hat übermorgen seinen 14. Geburtstag. Eigentlich wollte ich
dieses Datum, wie gewohnt, feiern. Ich hatte Allen gesagt, die an
seinem Todestag erinnerten, dass ich diesen Tag gar nicht so
„feiern/gedenken“ mag, da es ja ein ganz trauriger Anlass ist.
Hingegen seinen Gebrutstag zu „feiern“ ja was Schönes ist.
Aber
tatsächlich ist es zur Zeit so: Mir graut vor diesem Tag.
Denn
ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Letztes Jahr war ich
durch den Job abgelenkt. Heuer hab ich nicht viel zum Ablenken. Und
da mich sowieso ständig Erinnerungen, Gedankenfetzen und -Blitze,
sein Wesen, unsere Gespräche und Fragen hier auf dem Boot
beschäftigen, wird das am 17. nicht anders oder gar besser sein –
im Gegenteil.
Immer wieder kommt mir diserer Abend des 22. März 2012
in den Kopf, der Anruf seines Vaters, das Ankommen zur Wohnung, die
junge Polizistin, die sich rührend und völlig überfordert um mich
und uns gekümmert hat. Immer wieder der Satz von mir „Das passiert
doch immer nur bei den anderen Leuten!“ „Das passiert doch immer
nur bei den anderen Leuten!!!“
Der
Malteser-Hilfsdienst-Mensch war keine große Hilfe für mich. Der war
recht reserviert und ernst und Herr seiner Lage, aber nicht meiner.
Ich
sah Richard noch in seinem Zimmer liegen. Ich wollte ihn noch
unbedingt sehen. Wahrscheinlich, um mich zu vergewissern, ob er auch
wirklich nicht mehr lebt. Da lagen seine blauen Wurschtelhändchen.
Die Augen zu. Mehr hab ich nicht gesehen, mir nicht angeschaut.
Dann
der Abtransport mit dem Leichenwagen. Ein Gespräch mit der
Kriminalpolizei, ein wenig geschäftiges Reden mit dem Vater über
den zeitlichen Ablauf.
Ich
war in einer Blase....ich wollte das alles nicht, ich wollte das
alles nicht wahrhaben.
Und
weg ist der Richard. Einfach weg. Ein Abgrund neben mir. Ein riesiges
Loch. Ständig werde ich erinnert. Ständig erinnere ich mich. Mal
ohne, mal mit Tränen. Mal am Tag, mal am Abend. Das Leben ist
unfair.
Aber
ich weiß, dass es Dir gut geht. Dass Du jetzt in einer anderen
Dimension bist. Dass Du viel gelernt und weitergekommen bist. Und,
dass wir uns auch wiedertreffen werden. Und dann geht die Reise
wieder weiter.
Aber
bis dahin und in diesem bekloppten menschlichen Leben fehlst Du.
Mir
Uns
Allen.
Übermorgen
gehen wir Pizza essen. Fette Pizza. Mit Rucola und doppelt Schinken.
So hast Du sie immer bestellt.
Ich
liebe Dich – immer!
Deine
Mama
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