Auf dem Weg nach Frankreich

(von Stefanie) Nieuwpoort: Abfahrt 7 Uhr – zur Tanke. Getankt, leider wieder viel durch das Überlaufventil verloren gegangen und wieder ins Innenschiff schön am Holz entlang geronnen....damit waren wir dann erst später fertig als gewünscht und sind letztendlich erst um 8 Uhr aus der Nieuwpoort rausgekommen. 



Das Wetter meinte es nicht so gut mit uns, wir hatten zwischendurch echt deftiges Unwetter und waren heilfroh, dass wir unser Sprayhood + Bimini = Kuchenbuden-Konzept hatten. Da lässt es sich bei so einem Wetter gut und trocken aushalten. Ein paar Tropfen kamen durch die Reißverschlüsse trotzdem durch, aber das war wirklich unerheblich, fast nicht der Rede wert, es sei dennoch hier erwähnt :-) Aber wir hatten eine gute Strömung.

Die Küste entlang an Dunkerque, Gravenlines bis Calais ist wirklich eine Zumutung. Da hätten sich die Architekten und Bauherren und Bürgermeister echt mal was Netteres ausdenken können, als kilometerweit Hochhäuser an die Küste zu setzen. Eines hässlicher als das andere und weil das noch nicht reicht, haben die dann gleich noch die ganze Industrie an die Küste gepflanzt. Schornstein, Qualm, Dunst soweit das Auge an die Küste reicht.



Mit 7-10 Knoten Geschwindigkeit kamen wir dann gut bis kurz hinter Calais. Haben die Kanaldampfer, Fähren und sonstigen Ungeheuern locker umschifft und dann schwenkte die Strömung leider gegen uns und wir kamen kurz vor dem Cap Nez Gris ganz schön ins Schaukeln und mit 0,5 Knoten nicht wirklich voran. Zwei Strömungsrichtungen und Gegenwind oder gar keiner waren nicht so doll, aber machbar. Kosta hat übrigens fast die ganze Zeit das Steuer gehalten. Ich musste durch das frühe Aufstehen Schlaf nachholen :-)

Aber ab und zu hab ich dann doch auch mal das Steuer und versucht den Kurs zu halten, was mit dem Boot unter Motor und in diesen strudelnden Strömungen nicht soooo einfach ist. Aber der Ärmelkanal ist ja groß und breit und da kann man schon mal den einen oder anderen Schwenker wieder gutmachen, ohne dass der Skipper das merkt :-)))). Aber der merkt dann doch alles, weil er ständig den Kurs checkt und sofort die tatsächliche Richtung erkennt. Dann heißt es wieder: Zurück auf Kurs!!!!



Ab dem Cap Nez Gris war dann auch die Küste wieder schöner anzusehen, das Wasser wurde ruhiger und auch etwas Strömung kam dazu. Mit zwei Stunden Verspätung kamen wir dann glücklich in Boulogne sur Mer an und haben eigentlich einen netten Platz zum Anlegen gefunden. Den ersten ganz vorne. Alle Leinen fest gemacht, Motor nach Leerlauf-Auslaufen abgeschaltet, dreimal dankbar gestreichelt, dass er so schön durchgehalten hatte, obwohl uns vom Entlüftungsventilator die Schraube abgehauen ist und wir ihn während des Laufens auf die Schnelle nicht mehr gefunden hatten, und der Motorraum dann doch etwas wärmer als gewünscht wurde.



Dann schnell beim Hafenmeister angemeldet, Stromkabel gelegt und grad schee war's. Haben wir doch unseren nächsten großen Schlag mit 73 Seemeilen an einem Tag geschafft!

Wie gesagt, es hat alles gut geklappt. Kaum angekommen brach dann ein Unwetter aus; das hab ich noch nicht erlebt. Oder fühlt es sich auf einem boot anders an???? Waren wir wieder heilfroh, dass wir unsere Kuchenbude hatten!! Danach brach der Abend an, ganz friedlich war es auf einmal im Hafen. Als ob nichts gewesen wäre. Wir hatten uns schon hingelegt und dann hörten wir viele Stimmen, Aufregung, viele Motoren, einen sehr starken Motor....ein Segelschiff war im Schlepptau eines Seerettungsbootes abgeschleppt und wo machten sie das havarierte Boot fest? Na? Wer weiß es? Gleich mal bei uns, am ersten Anleger. Suuuuper, ich wieder in Jeans und Pulli, ohne Socken raus in die Kälte, Leinen annehmen, festmachen, Fender justieren. Die Abschlepper machten dann auf der anderen Seite gegenüber fest und dann kam wohl für den Skipper der Papierkram und nach und nach noch ein paar andere Boote, die alle zusammen gehörten. Insgesamt acht Boote waren es, mit 28 Holländern drauf, darunter ein paar Kinder, die sehr aufgeregt waren. Denn 43 Knoten Wind hatten sie zwischendurch gehabt und eine Leine hatte sich in deren Propeller verschlingert.....WAS eine Aufregung nachts um halb eins auf, um, hinter, vor und neben unserem Boot!!!

Bis die Meute dann zur Ruhe kam, war es 2 Uhr, zigmal liefen sie über unser Boot, an unserer Luke über unserem Bett vorbei...schlafen???? Keine Sekunde. Wir haben dann ein Video geschaut und noch eines....naja und irgendwann sind wir dann doch eingeschlafen, weil die Lauferei über uns und auch das Möwengeschrei doch auch mal ein Ende nahm....die waren wohl auch alle mal müde :-) 

Am nächsten Morgen um 8 Uhr ging es dann gleich wieder weiter - trappel, trappel stampf, stampf - Holländer, oder Segler, kennen da ja nix. :-) Wir sind dann erstmal in die Stadt, es war Sonntag, wollten eigentlich unser erstes, langersehntes echtes französisches Croissant verschnabulieren, stellten aber fest, dass gerade Flohmarkt war, den ich natürlich um nichts in der Welt verpassen wollte. Naja, war nicht so dolle, haben dann endlich ein Café gefunden, das uns gefallen hat, hingesetzt und Café au lait (wohl eher Café oje – dat is nix mit Café und Frankreich, eher Wein und Käse) und ein Croissant bestellt, und nix war's, gibt nur Café oder Würstchen. Na toll. Croissants könnten wir in der Boulangerie neben an kaufen und mitbringen oder gleich dort Café und Gebäck konsumieren. Und nochmal na toll! Ich also zur Bäckerei, sah toll aus, die Bäckerei, die Croissants aber nicht so. Egal, ich.will.jetzt.Croissant!!!! Aber dalli! Gekauft, zurückgelaufen, verputzt. Und sich eingeredet, dass es toll schmeckt! :-)) Aber es ist wirklich schön hier. Ein wenig morbider Charme, aber eben französisch. Uns gefällt's!



Und jetzt warten wir das Wetter ab, bis die angekündigten Gewitter abgezogen sind und der Wind aus für uns günstigerer Richtung weht, so dass wir dann vielleicht am Donnerstag weiterkommen. Hoffentlich dann auch mal segelnderweise für mehr als zwei Stunden!!

Bis denne
Eure Maschinistin

1 Kommentar :

  1. So hab ich das erwartet, Start mit Abenteuer! Schön, dass es jetzt losgeht! Werde an meinem langweiligen Büroplatz alles mitverfolgen ...

    Und Croissant mag ich auch nur daheim vom Bäcker in der Perhamer Str.

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