Ankern Ist Schön - Wenn Nicht...

Ankern ist schon eine tolle Sache. Meistens (wahrlich nicht immer) liegt man irgendwo in einer geschützten Bucht rum und genießt das Leben auf dem Boot. Dem Haus am Haken. Zur allgemeinen Zufriedenheit kommt dann noch dazu, dass man nichts zahlen muss und tatsächlich kostenlos an den schönsten Plätzen dieser Welt leben kann. Das macht dann aus der Zufriedenheit eine sehr große Zufriedenheit.

Schöner Ankerplatz, schön ohne Wind. 


Manchmal gibt es dann auch noch Wind. Der trägt auch zur Zufriedeneit bei, denn der kühlt das Boot, wenn es so richtig heiß ist. Und da das Boot vor Anker immer im Wind liegt und die Luken auf dem Boot meistens nach vorne aufgehen, hat man quasi einen eingebauten Ventilator. Viel Wind hingegen, trägt nicht so sehr zur Zufriedenheit bei. Vor allen Dingen, wenn dann noch Wellen dazu kommen (was meistens der Fall ist). Dann ruckt und zuckt das Boot am Anker, schaukeln inbegriffen. So richtig dämlich wird das ganze, wenn es richtig viel Wind hat. Große Unzufriedenheit

Das ist uns nämlich zwei, drei Tage am letzten Ankerplatz in der Ria Arousa passiert. Da hatten wir dann zwischen 30 und 40 Knoten Wind. Zum Glück lagen wir fast direkt am Strand in einer wirklich sehr geschützten Bucht. Da gab es nicht so viele Wellen. Wenn der Wind bei 40 Knoten dann aber in den Bug fährt (wie ein Zug) und das Boot auf die Seite dreht und kippt, dann fängt man auch ohne Segel an zu segeln. Das ganze mit der entsprechenden Schräglage. Das geht natürlich nur so lange gut (ca. 3- 5 Sekunden), bis die Ankerkette und der Anker den Vorwärtsdrang des Bootes stoppen und das ganze dann wieder zur anderen Seite geht. Inklusive Schräglage.

Diese Art von Ankern erzeugt dann folglich sehr große Unzufriedenheit. Ganz großes Unzufriedenheitskino.

Nach drei Tagen hat der Wind dann nachgelassen. "Nix wie weg", dachten wir uns; weiter in den Süden wollen wir. Starker Wind im Herbst kann nämlich sehr kühl sein... selbst in Spanien. Ein kurzer Hopp nach Baiona, der letzten Stadt ganz unten und außen in der Ria Vigo. Kurz vor Portugal.

Bis wir uns tatsächlich auf den Weg machen konnten, verging dann noch ein wenig Zeit. Normalerweise hat man auf einem Boot eine elektrische Ankerwinsch, die einem helfen soll, die schwere Kette mit dem Anker hochzuziehen. Das sieht immer sehr lässig aus. Man(n) (oder auch Frau) steht vorne am Bug und zieht den Anker mit dem Fuß hoch. Also, der Fuß steht auf einem Knopf, der wiederum die Ankerwinsch arbeiten läßt. Das Ganze gibt es auch noch wahlweise mit kabelgebundener Fernbedienung.

Aufgrund des doch recht starken Windes, hatten wir bei 5 Meter Wassertiefe ca. 40 Meter Kette draußen. Das sind dann mal eben schlappe 120 kg mit Anker. Wir stehen dann beide auch mal so lässig auf dem Vorschiff rum und drücken Knöpfe (mit dem Fuß - weil bücken ist ja zu anstrengend) und plötzlich??? Nix geht mehr. Die Winsch macht nur noch Knack Knack. Ein elektrisches Knack Knack. Mal eben schnell in die Tiefen des Bootes entschwunden und festgestellt, dass die Thermosicherung des ganzen Ankerkabelwahnsinns im Bug rausgeflogen ist. Und das ist sie immer wieder. Nach gefühlten 10 mal haben wir es aufgegeben. Ankerwinsch geht eben nicht mehr. Die manuelle Funktion (Ankerwinsch mit der Winschkurbel bedienen) ging auch nicht mehr. Alles blockiert. 

Ankerkette ist erstmal oben. :-)

Hilft alles nichts, da muss dann händisch gearbeitet werden. Also doch bücken, 120 kg Ankerkette mit den Händen hochziehen. Das macht nun wirklich keinen Spaß. Nach 3 Tagen mit viel Wind gräbt sich dann ein Anker natürlich auch ganz schön tief ein. Irgendwie und mit viel aufgeblasenen Muskeln, schmerzenden Armen und Rücken, Flüchen und im Schweiße des Angesichts haben wir ihn dann doch noch rausbekommen. Ankerwinsch auseinandergeschraubt und die Kette manuell in die dafür vorgesehene Tonne gestopft. Nix wie weg. 

Schlappe 20 oder 30 sm nach Baiona, erstbeste Box in der königlichen "sonstwas" Marina genommen und erstmal Duschen gegangen. Das war das Paradies auf Erden. Direkt danach haben wir uns richtig Schick gemacht. Frische kurze Hose und T-Shirt, alles nicht gebügelt und Schlappen. Da fühlt mach sich gleich mal viel besser. 

Schön ist es segelnderweise in Nordspanien

In der königlichen "sonstwas" Marina gab es auch entsprechende Schiffe. Hier eine 100 ft Comet. Unglaublich.


Ausgehfein aufgehübscht fand man uns kurze Zeit später in einer kuscheligen Gasse mit standesgemäßer Tapas Bar wieder. Das Bier zum Durst löschen schmeckte fantastisch. Die 3 Gläser Wein (oder waren es mehr ?) waren noch besser und die Tapas zum heulen gut. Das alles hat unsere Bordkasse um 20 Euro erleichtert und wir waren das dann auch. Erleichtert und glücklich fielen wir in die Koje und haben erstmal richtig gut geschlafen. 



Am nächsten Morgen, ganz früh um 9 Uhr ging es nämlich gleich weiter. Nach Porto. Aber das ist eine andere Geschichte. Euer Kosta mit der Maschinistin. 

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