Geplant waren ein Tag, eine Nacht und
noch ein halber Tag, mit leichtem Wind von der Seite oder gar von
hinten. Perfekt. 160 Seemeilen. Buäh!!!
Aber nutzt ja nix, wir wollen ja mal
irgendwann in die Sonne und Wärme. War es in Porto schon schön,
wird es in Lissabon ja noch schöner. So alle Erzählungen im
Internet und anderen Informationsquellen.
Tja, und der Wind war da, morgens um 9.
Wir kamen wieder erst um 11 weg, da wir uns noch mit einer Hamburger
Familie unterhielten. Dann raus aus dem Hafen, rin in den Atlantik
und Segel hoch und schwupps ging's ab.
| Der Schwell war schon seekrankheitsverdächtig ;-) |
Mir wurde allerdings schon wieder etwas
mulmig und da kennt Kosta mittlerweile nix. Tablette schlucken und
Tschüss....Stefanie ward dann für gute 5 Stunden nicht mehr
gesehen. Tagsüber geht das für Kosta ja noch, aber nachts mag er das dann auch nicht mehr alleine machen. Aber ich hatte so gar keinen
Bock. Seit 8 Stunden lief der Motor schon wieder. Irgendwie war diese
Überfahrt doof. Langweilig. Denn der Wind war wieder weg, trotz der
angekündigten 3-4 Beaufort aus Nordwesten. So blöd das!!! Dafür waren die Wellen da. Eine ziemlich gewaltige Restdünung. Ich mag diese Wettervorhersagen nicht. Nie, aber nie und nimmer stimmt auch nur
eine Vorhersage. Entweder falscher Wind aus falscher Richtung, oder
gar kein Wind oder zuviel Welle oder sonstwas. Aber nie stimmt sie!!
Was machen diese Herren Metereologen eigentlich? Was studieren die
denn? Wassertemperatur messen? Finger lutschen und in den Himmel
heben? Warum kann man nicht aus den jahrelangen Messungen und
Niederschriften eine exakte Meldung heraus geben? Warum klappt das
nicht??????? Ihr Kachelmänner & Co.!?!?!?!!? Deppen das alles!
Ein kleines Highlight war dieses Mal,
dass wir ein größeres Schiff gesehen haben. Wahrscheinlich,
anscheinend, scheinbar, wir sind uns nicht ganz sicher, aber es sieht
schon verdammt ähnlich aus, UNSERE Gorch Fock!!
ABER, nach eingehender Internetrecherche, konnten wir nichts weiter eruieren, und da wir kein AIS an Bord haben, konnten wir es auch damit nicht entziffern. Also hab ich weitergesucht und einen Blog gefunden, der sich wohl mit Marineschifffahrt und -schiffen auskennt. Den hab ich einfach gefragt und der hat dann alles in Bewegung gesetzt und tatsächlich zu dem Zeitpunkt das einzig in Frage kommende Schiff herausgefunden.
Ich zitiere aus der Email von Peter Gross:"...Euer Gedanke, es könne sich eventuell um die Gorch Fock gehandelt haben, war gar nicht so abwegig, denn das Schiff gehört tatsächlich zur Gorch Fock- Klasse. Und es hat eine bewegte Vergangenheit, da es einst einmal unter der Flagge der deutschen Kriegsmarine fuhr. Damals hieß sie noch "Albert Leo Schlageter". Heute fährt sie als Segelschulschiff "NRP Sagres" für die portugiesische Marine. Das Schiff ging 1937 bei Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel. Bevor sie in Portugal landete, fuhr sie unter dem Namen "Guanabara" für die brasilianische Marine."
Ich zitiere aus der Email von Peter Gross:"...Euer Gedanke, es könne sich eventuell um die Gorch Fock gehandelt haben, war gar nicht so abwegig, denn das Schiff gehört tatsächlich zur Gorch Fock- Klasse. Und es hat eine bewegte Vergangenheit, da es einst einmal unter der Flagge der deutschen Kriegsmarine fuhr. Damals hieß sie noch "Albert Leo Schlageter". Heute fährt sie als Segelschulschiff "NRP Sagres" für die portugiesische Marine. Das Schiff ging 1937 bei Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel. Bevor sie in Portugal landete, fuhr sie unter dem Namen "Guanabara" für die brasilianische Marine."
Es war Punkt 20 Uhr und es wurde zum
Abendessen gerufen per Gong....beinahe hätten wir sie geentert :-)))
Aber dann in der Nacht diese Nässe.
Kein Regen, nein, nur feuchte Luft, die an Segeln, Baum, Mast,
Verdeck und sonstwo herunterrinnt. Ich hab mich nur so gelangweilt
auf dieser Fahrt und in meiner Nachtschicht. Pfui Bäh!!!
Aber Kosta ging es auch nicht besser.
Der hat auch ein bisschen geflucht. Und dann gab's wohl auch wieder mal etwas
Strömung. Natürlich gegen uns.
Aber die Morgendämmerung und der
Sonnenaufgang entschädigte wieder mal:
Und aus dem halben Tag wurde dann doch
ein ¾ Tag. Jede Minute war zuviel. Und irgendwann haben wir das Cabo
Roca umschifft.
Dann war doch tatsächlich schon der
Leuchtturm von Cascais in Sicht und wir wetteten, ob es tatsächlich,
wie nach Plotterangaben, nur noch eine halbe Stunde dauert oder nach
meinem Gefühl 2 Stunden, dass wir in den Hafen einlaufen.
Es war dann tatsächlich nur eine halb
Stunde. Wir machten am Besuchersteg fest, meldeten uns an, bekamen
unseren Liegeplatz zugewiesen und wurden von so einem netten
Portugiesen empfangen, der gleich mal sein Telefonat beendete, weil
er uns lieber helfen wollte. Dann nahm er sogleich sein Handy wieder
in die Hand und rief den Kollegen wieder an. Ist das ein nettes
Völkchen, diese Portugiesen????
Und dann kamen wir wieder ins Gespräch
und er empfahl uns diese Bucht und diesen Hafen und hier und da
müssen wir unbedingt hin, weil's da so schön ist zu ankern und
überhaupt.
Damit verließ er nicht nur uns,
sondern auch das Boot und hinterließ uns seine pubertierenden
Kinder, die ausgerechent heute Abend mit Freunden allein auf dem Boot
Party machen wollten.
Und wir wollten doch nur schlafen!!!
Naja, schlafen kann man wenn man tot ist, also Luken zu und a Ruh is.
Und seitdem liegen wir hier fast allein am Steg, alle anderen Boote
mutterseelen allein, ab und zu ein Racing-Boot oder wie jetzt ein
großer Katamaran. Sogar aus Deutschland. Mal sehen, ob wir uns näher
kommen :-)))))
Ja, wir sind uns näher gekommen.
Angelika und Herbert haben den ersten der neuen 52 Fuß Katamarane von
Lagoon käuflich erstanden und dürfen nun mit Handwerkern und
Bootswerft diskutieren, was und wie noch repariert und geändert
werden muss. Dass sie auf dem Weg von Bordeaux nach Lissabon mit kaputter Steuerstandkette da
lagen und abgeschleppt werden mussten hat sie genauso wenig davon
abgebracht, als mit halb vollem Tank von der Werft aus loszufahren
und auf halber Strecke hängen zu bleiben. Naja, das sind eben diese
richtigen Seebären und -bärinnen. Die schreckt halt nichts ab.
Cascais war dann ein richtig netter Zwischenstopp. Fast zwei Wochen sind wir dort geblieben. Nicht unbedingt weil wir dort ansässig werden wollten, sondern weil das Wetter wieder richtig mies wurde. Regen, Sturm und bähh. In der Marina konnte man allerdings einigermaßen viel unternehmen. Frühstücken gehen zum Beispiel. Das haben wir dann auch alle zwei Tage gemacht. Croissant und Bollo de Berlino (oder so ähnlich - ein Berliner mit überquellender Vanillefüllung) und jeweils einen Galao (Milchkaffee). In Cascais konnte man auch viel sehen. Ein nettes Städtchen. Einigermaßen viel organisierter Tourismus. Nicht so unser Ding. Aber einen Markt gab es dort. Boahh. Der war so richtig toll. Frisches Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Wurst, Käse, Brot und was man sich sonst noch so alles vorstellen kann.
Kosta wollte noch zum Friseur. Da ging ich dann gleich mal mit. Zwei nette Schwule gaben ihr Bestes. Nach über eine Stunde waren wir fertig. 20 Euro für uns beide zusammen. Wie toll ist das denn?
Nun aber zu Lissabon. Ja, da waren wir auch. Cascais ist nur eine halbe Stunde Zugfahrt vom Stadtzentrum entfernt. Also nichts wie hin in Erwartung einer weiteren tollen Stadt (nach Porto). Leider war das dann nichts mit uns und Lissabon. Da hat irgendwie nichts geklickt. Wir haben uns echt Mühe gegeben. Aber nix. Wir sind den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen, aber außer Großstadt, laut, etwas dreckig und super vielen Touristen haben wir dem Ganzen nichts abgewinnen können. Es war sogar so schlimm, dass wir mittags in ein Hard Rock Cafe gegangen sind. Auf Restaurants, die stumpf ihre bebilderten Speisekarten unter die Nase rieben hatten wir keine Lust. Mit Sicherheit gibt es auch DAS zweite Gesicht von Lissabon. Eines, das wir mögen werden. Nur nicht jetzt. Wir bleiben ja noch ein wenig in Portugal und werden uns Lissabon noch einmal genauer ansehen.
Nach zwei Wochen Cascais gab es dann noch einen Überraschungsbesuch. Die Crew der "Pilgrim", die wir in A Coruna kennengelernt hatten, besuchten uns mit dem Auto auf dem Rückweg von der Algarve nach A Coruna. Im Gepäck hatten sie unsere Gasflaschenadapter, die wir uns aus Deutschland von Freunden -vielen lieben Dank, Michael und Anja, hatten schicken lassen. Nach A Coruna. Die kamen leider erst nach unserer Abfahrt an. So verbrachten wir noch einen schönen Abend zusammen und werden uns in zwei- drei Wochen in Portimao wieder sehen.
Sooooo, noch ein Reisebericht fehlt und dann sind wir hier endlich wieder aktuell. Es gibt noch viele kleine und große Geschichten vom Boot, die wir dann in den nächsten Wochen erzählen werden.
ja, wie peter gross vom "seefahrer" schon schreibt, die "sagres" ist eine schwesternschiff der (alten) gorch fock. der bruder meines vater war von februar 1938 bis september 1939 erster offizier. kommandant war der damalige fregattenkapitän bernhard rogge.
AntwortenLöschenhttp://seefahrer.blog.de/2012/11/01/gebetbuch-reden-15155332/
allzeit gute fahrt und glückliche heimkehr..
ciao ralli beaumonde
Lieber Ralli,
Löschenhab herzlichen Dank für Deine zusätzliche Info. So bekommen wir auch noch etwas deutsche Marinegeschichte erzählt. Wir sind gespannt, was uns noch so alles den Weg kreuzt.
Bleib uns auf den Fersen :-)
stefanie. & Kosta