Entschleunigung

Bong Schuur Ihr Lieben,

Vor ein paar Tagen haben wir von Guernsey nach Camaret sur Mer (bei Brest) unseren ersten längeren Schlag gemacht. 140 nm. Sehr schön. Die ersten 10 Stunden war das bis nachts wunderbares Segeln am Wind bei ca. 4 Bft. Und endlich mal lange hohe Atlantikwellen. Nicht dieses kurze Gestampfe wie im englischen Kanal. So eine blöde Gegend. Wir sind ziemlich froh, dass der nun hinter uns liegt. Dann musste der Motor wieder her halten. 6 Stunden lang haben wir dann noch mit Gegenströmung um die letzte Ecke gebraucht. Diese Strudel und Wellen (overfalls) sind schon gewaltig. Depremierend ist das dann, wenn man mit 1,5 kn dahin motort. Wir brauchen das nicht mehr. 

Die Sonne geht unter. Irgendwo zwischen Guernsey und Frankreich

Der Mond geht auf und scheint ganz wunderbar

Nachts sieht man dann nicht mehr so viel. 


Es war kalt und nass. Stefanie nach ihrer Nachtwache am morgen um 07:00.
Gleich gehts ins Bett. 

Halbe Strecke geschafft. Nachts ist es immer recht spaßig mit den vielen Untiefen und Strömungen. 

Irgendwann geht dann auch die Sonne auf. Das sind dann schon richtige Highlights. 



Camaret sur mer ist rechts um die Ecke. Um 1800 Uhr sind wir dann da. 
Die Kanalinseln waren ein Traum. Alderney ganz besonders. Sehr ruhig, sehr natürlich, landschaftlich ein Traum. Die Türen stehen offen, die Autofenster auch. Was sollte dort auch wegkommen. Und vor allen Dingen wo hin? Die Menschen dort haben uns neben der Landschaft am meisten beeindruckt. Selten haben wir so glückliche Menschen gesehen. Wir waren uns beide einig, dass wir dort vielleicht mal für ein Jahr oder so leben könnten. Guernsey war dann wieder ein wenig mehr laut. Aber auch wunderbar. Dort sind wir gewandert, auf einem Cliff Path. Sehr toll. 

Alderney Ankerplatz. Ein Traum. 

Dinghy Dock in Alderney

St. Peter Port auf Guernsey

Dafür ist es hier in Camaret nun sehr entspannt. Hat fast ein wenig 70iger Jahre Flair. Endlich mal Langfahrtsegler und ein wenig Austausch. Der Ort hier ist auch ein Traum. Bisserl Künstlerdorf und nicht zu viele Touristen. Lässige Cafes und überhaupt... es gefällt uns hier. Nachdem wir nun zwei Nächte an der Außenmole waren (sehr wackelig), haben wir gestern einen Platz im Hafen gefunden. Jetzt ist es noch besser. 






Und am Boot müssen wir auch ständig basteln. Unser großer Plotter geht nicht mehr (auch kein AIS mehr). Wir haben in Belgien einen Raymarine Dragonfly gekauft und nun seit gestern OpenCPN auf dem Laptop. Fehlt nur noch ein GPS dafür. Dann kaufen wir noch ein Navtex (für Wetterberichte) und AIS Empfänger für den PC (damit wir die anderen Boote sehen) und fertig ist die Navigation. Ich habe die Schnauze voll von Plotter und Co. 

Stefanie "silikoniert" heute zwei unserer Rumpffenster. Die lecken ein wenig. Wir ziehen bei den Am Wind Kursen doch recht oft die Reling durchs Wasser (damit wir schneller durch die Strömungen kommen). Und dann haben wir seit dem zweiten Tag unserer Abreise Probleme mit dem Motor. Der geht eigentlich sehr gut... allerdings fällt plötzlich und nicht nachvollziehbar die Drehzahl runter. Manchmal so schnell, dass er in den ungünstigsten Momenten ausgeht. Zum Beispiel bei der Anfahrt von Guernsey mit 4 Knoten Strom mit uns und vor uns zwei Kreuzfahrtschiffe. Wir dachten an Filter (war es aber nicht). Ansaugstutzen verstopft? Auch nicht. Luft in der Leitung? Auch nicht. Vor ein paar Tagen, nachdem wir mal wieder einen Ausfall in der Nähe eines Kaps mit fetten Felsen hatten und mit auflandigen Wind darauf zutrieben (Segeln ging nicht, weil zu wenig Wind), haben wir es herausgefunden. Der Tank ist so weit unten, dass der Motor bei höheren Drehzahlen zu wenig Diesel bekommt. Wenn man die manuelle Dieselansaugpumpe (was ein Wort) betätigt, geht es sofort wieder. Wenn man sie ein wenig offen lässt, auch besser. Also bekommen wir heute eine elektrische Diesel Lift Pump. Das sollte das Problem lösen. 

Tja. Nun steht die Biskaya vor uns. Das Wetterfenster war gerade da, als wir hier angekommen sind. Eigentlich hätten wir durchfahren sollen. Aber mit der Motorherausforderung und einem nicht funktionierenden Solarpanel (das geht jetzt auch wieder) wollten wir das nicht machen. Jetzt warten wir ein paar Tage. Es schaut so aus, dass sich nächste Woche wieder was ergeben könnte. Das ist dann eine Strecke von ca. 300- 400 Seemeilen - je nach dem, wo wir hinfahren. Oder anders ausgedrückt, 3 Tage und Nächte am Stück, durch eine Gegend, die nicht immer für angenehmes Segeln bekannt ist. 


Ansonsten alles gut auf der Ikoko. Wir sind glücklich und freuen uns schon auf Spanien. 


PS: Der Zoll hat uns dann auch endlich mal besucht. Da hört man die wildesten Geschichten. Mit ein wenig flirten seitens Stefanie, war das dann aber eher eine angenehme Erfahrung. Ein paar Daten aufgenommen und viel Smalltalk und das war es auch schon. 

2 Kommentare :

  1. Hallo , schön , dass ich Euch gefunden habe !

    Wir kommen gerade aus Italien , wo wir 3 1/2 Wochen in Maderno waren. Haben viele Geschichten
    von Annerose gehört.

    Schön , so viele spannende Stories zu lesen.
    Wir wünschen Euch weiterhin immer eine Handbreit
    Wasser unter dem Kiel.

    Liebe Grüße von Alina , Gabi und Peter

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  2. Vielen Dank Ihr Lieben. Wir hoffen, ihr hattet eine schöne Zeit in Maderno. Aber was frage ich da eigentlich... Uns geht es gut. Wir waren gerade einkaufen. Neben Lebensmittel auch eine spanische und portugiesische Flagge fürs Boot. Morgen geht es los. 3 Tage 3 Nächte, dann sind wir endlich in Spanien. Viele Grüße, Kosta & Stefanie

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